Grundlagenstudie - wenn Veränderung von innen beginnt
Im Frühjahr 2024 wurde in Indien und Tansania eine umfassende Baseline-Studie von den lokalen Teams initiiert – ein gemeinsamer und wichtiger Schritt, um die aktuellen Realitäten und Herausforderungen im Feld noch besser verstehen und reflektieren zu können. Ziel der Baseline-Studie ist es, die Wirksamkeit bestehender Programme und Projekte zu prüfen, um diese für eine zukunftsfähige Ausrichtung gezielt weiterzuentwickeln. Dabei war es für uns – die bioRe Stiftung Schweiz – zentral, dass für die Durchführung der Baseline-Erhebung die lokalen Organisationen im Lead sind. Diese starke Eigenverantwortung und lokale Verankerung der Studie ermöglichte es den lokalen Fachkräften, neue Perspektiven einzunehmen, und entfachte einen kreativen und zielorientierten Dialog in den verschiedenen Fachbereichen der Länderorganisationen.
Die Ergebnisse der Baseline-Studie in Indien und Tansania wurden von den lokalen Organisationen in 5 Kerndimensionen eingeteilt:
- Unabhängigkeit
- Einkommen, Diversifizierung und Kontrolle
- Kompetenz
- Mitsprache in Entscheidungsprozessen
- Selbstwahrnehmung und Selbstwirksamkeit
Fazit der Baseline-Studie
Ausdruck gelebter Selbstermächtigung ist es, wenn Menschen sich selbst reflektieren und Verantwortung für ihre eigenen Entscheidungen und Strukturen übernehmen. Diese 5 Kerndimensionen, mit welchen das Ergebnis der Studie erfasst wurden, helfen dabei, Maßnahmen zur Selbstermächtigung in Zukunft nicht nur gezielter zu fördern, sondern auch messbar zu machen. Die Grundlagenstudie ist ein bedeutender Meilenstein in der Weiterentwicklung unserer Zusammenarbeit mit unseren Partnern in Tansania und Indien. Sie steht für die wachsende Unabhängigkeit der Länderorganisationen. Die resultierenden Kerndimensionen aus der Befragung der Bäuerinnen und Bauern haben gezeigt, dass die bioRe-Länderorganisationen mit ihren Aktivitäten und Projekten auf dem richtigen Weg sind und weiter ausgebaut werden müssen.

Informationen zur Studie in Indien
Titel: «Baseline-Studie zur Entwicklungsarbeit der bioRe Association India (2024–2025)», 126 Seiten, EN
Durchführende Organisation: bioRe Association India, Kasrawad, Madhya Pradesh
In Zusammenarbeit mit: Remei India (ehemals bioRe India Limited)
Autor: Anju Manikoth
Fördergeber: bioRe Association India, mit finanzieller Unterstützung durch die bioRe Stiftung Schweiz
Laufzeit: Juni 2024 – Januar 2025
Zielregion: Nimar-Region, Madhya Pradesh, Indien (Zonen: Kasrawad, Maheshwar, Nimrani, Rajgarh, Bilali, Sirpur)
Methodik: Qualitative Baseline-Studie, teilstrukturiert
Datenerhebung: Interviews mit 33 Landwirt:innen (repräsentativ über 6 Zonen verteilt), unstrukturierte Interviews mit Schlüsselpersonen der Organisation, Fokusgruppen mit Farmer:innen und Empowerment-Team, Desk Research und Beobachtung vor Ort

Informationen zur Studie in Tansania
Titel: «Baseline Survey Report on the New Empowerment Program», 53 Seiten, EN
Durchführende Organisation: bioRe Foundation Tanzania, in Zusammenarbeit mit Remei Tansania
Autoren: Bhargavi Bonam, Albert Tibaijuka
Fördergeber: bioRe Foundation Tanzania, mit finanzieller Unterstützung durch die bioRe Stiftung Schweiz
Laufzeit der Studie: Mai 2024 – Dezember 2024
Zielregion: Meatu District, Simiyu Region, Tansania (insgesamt 32 Dörfer, u. a. Mwamishali, Mwamatiga, Mwambegwa)
Methodik: Mixed Methods (quantitativ + qualitativ)
Datenerhebung: Albert Tibaijuka, Bhargavi Bonam, Ludovic Myumbo
32 Farmer:innen (50 % Frauen), Interviews auf Dorfebene; Fokusgruppe mit 25 Farmer:innen (Mwamishali); Interviewrunde mit 18 Schlüsselpersonen (z. B. Lead Farmers, Projektleitende, PRB-Mitglieder)
Die 5 Kerndimensionen zur Selbstwirksamkeit
Die 5 Kerndimensionen als Resultate der Studie, ihre Herleitung für zukünftige Wirkungsmessungen und was diese bedeuten für die Arbeit der Stiftung:
1. Unabhängigkeit
Viele Bäuerinnen und Bauern sind unter Druck, da ihr Einkommen nach wie vor stark von der Biobaumwolle abhängig ist. Unabhängigkeit heisst für die Gemeinschaften vor Ort, Lebensgrundlagen eigenständig absichern zu können und Wahlmöglichkeiten in der wirtschaftlichen Absicherung zu haben. Die Menschen wünschen sich weitere Einkommensquellen nebst dem Biobaumwollanbau. Stark mit der Dimension Unabhängigkeit korreliert die Dimension Einkommen, Diversifizierung
Was die Stiftung macht:
Die Stiftung unterstützt mit ihren Workshops zu Entrepreneurship die Möglichkeit für Einkommensdiversifizierung.
2. Einkommen und Diversifizierung und Kontrolle
Damit Bäuer:innen und ihre Familien widerstandsfähiger gegenüber Krisen sind, insbesondere der klimatischen Veränderungen und damit einhergehenden Risiken von Ernteausfällen, ist es wichtig, das Einkommen nicht nur zu steigern, sondern durch Diversifizierung zu sichern
Was die Stiftung macht:
Unser Ziel als Stiftung ist es, Voraussetzungen zu schaffen, damit Mitglieder von Bauernfamilien ihre Lebensgrundlagen eigenständig sichern können, ohne ausschliesslich abhängig von einer erfolgreichen Biobaumwollernte zu sein. Unabhängig handeln zu können sehen wir als zentrale Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung. Diese Ergebnisse haben uns als Stiftung gestärkt, die Komponenten Biodiversität und Entrepreneurship / Unternehmertum noch weiter zu stärken. Konkret: Ausbau von Agroforestry-Projekten (als aktive Massnahme für den Erosionsschutz der Böden und gleichzeitig wichtige Ernährungsquelle der Bauernfamilien) und Workshop für Frauen im Bereich «alternative Einkommensquellen und Unternehmertum», Förderung der wirtschaftlichen Eigenständigkeit der Frauen.
3. Kompetenz
Die Dimension der Kompetenz umfasst Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Bäuer:innen und ihre Familien benötigen, um ihre Lebensgrundlagen nachhaltig zu sichern und sich weiterzuentwickeln. In der Umfrage der Baseline-Studie ist deutlich herausgekommen, dass die Bäuerinnen und Bauern ihre Kompetenzen weiter stärken und aufbauen möchten.
Was die Stiftung macht:
Der Kompetenzaufbau fördert die bioRe Stiftung in den verschiedenen Komponenten der Stiftung:
- Baumwoll-Training: Ganzheitlicher Ansatz für Training im biologischen Landanbau; Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, Aufbau von Biodiversität, Fruchtfolgen, GVO-freien Saatgut und natürlicher Schädlingskontrolle
- Bildung: Über die bioRe Animationsschulen und die bioRe Public School fördern wir insbesondere aktiv die Kompetenzbildung der Kinder in den Gemeinschaften. Der Zugang zu Bildung hat sich im Laufe der Zusammenarbeit vor Ort und als Antwort auf das lokale Bedürfnis entwickelt. Dies zu ermöglichen und zu stärken, ist ein integraler Bestandteil des Auftrags der bioRe Stiftung.
- Kompetenzstärkung der Frauen / Entrepreneurship: Konkrete Frauentrainings im Biobaumwollanbau und das Stärken ihrer Rollen, insbesondere über die Komponente Unternehmertum.
4. Mitsprache in Entscheidungsprozessen
Die Gemeinschaften wollen aktiv an Entscheidungsprozessen mitwirken und Mitverantwortung übernehmen. Der Einbezug und die Partizipation der betroffenen Gemeinschaften in der Planung und Umsetzung von Projekten und Aktivitäten ist ein grosses Bedürfnis.
Was die Stiftung macht:
Die bioRe Stiftung verfolgt seit ihrer Gründung einen Bottom-up-Ansatz und setzt auf die Stärkung lokaler Steuerungskompetenz, im Verständnis, dass Partizipation eine zentrale Voraussetzung ist, um Entscheidungsmacht nachhaltig zu verlagern.
5. Selbstwahrnehmung und Selbstwirksamkeit
Selbstwahrnehmung beschreibt das Bewusstsein für die eigene Rolle, Werte und Stärken. Sie beruft sich auf die eigenen Erfahrungen und die Erkenntnis, etwas durch das eigene Handeln bewirken und verändern zu können. Selbstwahrnehmung und Selbstwirksamkeit sind wichtig, um das nötige Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen, um Entscheidungen zu fällen, Ziele zu verfolgen und Erlerntes mit anderen zu teilen. Für die Bäuerinnen und Bauern ist es wichtig, dass sie in den Projekten und Aktivitäten eine aktive Rolle spielen, so einen wichtigen Beitrag leisten und Einfluss im eigenen Umfeld und innerhalb der Gesellschaft nehmen.
Was die Stiftung macht:
Aufgrund der Erkenntnisse der Baseline-Studie setzen die Länderorganisationen neu bewusst auf die Präsenz und Stärkung von sogenannten lokalen Schlüsselpersonen. Das sind Brückenbauerinnen und -bauer, die aus den lokalen Gemeinschaften hervorgehen und Aufgaben in den Aktivitäten der bioRe Organisationen übernehmen. Sie übernehmen Rollen wie «Workshop-Leiterin», «Trainerin» oder «Vorreiter-Unternehmerin». Die bioRe Länderorganisationen unterstützen diese Menschen in ihren Rollen, damit sie die besten Lösungen für ihre Gemeinschaft selbst entwickeln können. Hier besteht noch viel Potenzial für die zukünftige Gestaltung des Programms und der Aktivitäten.

Frauen als treibende Kraft für Wandel und Selbstbestimmung
Frauen in Indiens Landwirtschaft spielen eine Schlüsselrolle im Kampf gegen den Klimawandel*. Die bioRe® Stiftung unterstützt die Frauen dabei: Über 881 Frauen haben allein in den letzten Monaten an unserem Frauen-Förderprogramm teilgenommen. In den Frauengruppen der bioRe® Association India und in Tansania entdecken sie nicht nur ihr Potenzial, sondern lernen auch, es gezielt zu nutzen. Und da wir die Frauen langfristig begleiten, entstehen tiefere Verbindungen und dadurch ein größeres Engagement, was letztlich mehr bewirkt. Besonders wichtig: Die Frauen werden auch gezielt in unternehmerisches Denken eingeführt – ein entscheidender Schritt, um sie aktiv in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Denn obwohl 75 % der arbeitenden Frauen in Indiens ländlichen Regionen in der Landwirtschaft tätig sind, besitzen nur 12 % von ihnen eigenes Land.*
Indem die Frauen gestärkt werden, verändern sie nicht nur ihr eigenes Leben – sie gestalten ihre und unsere Zukunft aktiv mit. Wir freuen uns, Ihnen heute vier Teilnehmer:innen unserer Frauengruppen vorstellen zu dürfen:

Während Lalita mit bioRe Baumwolle zur globalen Wertschöpfungskette der Textilindustrie beiträgt, hat sie gleichzeitig einen persönlichen Traum verwirklicht – den Aufbau ihrer eigenen Blumenfarm. Heute ist sie nicht nur Bäuerin, sondern auch eine clevere Geschäftsfrau, die den Marktwert ihrer Blumen kennt und in ihrer unternehmerischen Tätigkeit erfolgreich ist.


Neben der Landwirtschaft in Kasrawad hält sich Pushpa Kühe und Büffel, damit sie ein zusätzliches tägliches Einkommen hat. Mit zwei Büffeln kann sie 10–11 Kilogramm Ghee (Butterschmalz) verkaufen. Was sie damit einnimmt, verwaltet sie selbst. Sie gibt ihren Söhnen, die in der Ausbildung sind, Geld oder unterstützt im Haushalt, wenn gerade Geld gebraucht wird. Was ihr aber Kraft gibt, ist das Träumen. Über sie haben wir an Weihnachten ausführlich berichtet:


«Wir sind auf den Regen für die Baumwollernte angewiesen, doch der Regen hat sich verändert», erzählt Biobaumwollbäuerin Zuena Hemed aus Mwamishali, Tansania. Sie arbeitet in einer Art von Agrolandwirtschaft, die Elemente des Ackerbaus und der Tierhaltung mit solchen der Forstwirtschaft kombiniert. «Durch Agroforestry nähren wir den Boden, speichern mehr Wasser und haben zusätzliche Einkommensquellen wie Früchte und Brennholz.»


«Die Leute im Dorf wissen, dass alle unsere Produkte biologisch angebaut werden. Sie bezahlen deshalb gerne mehr für mein Gemüse. Den besten Preis bekomme ich für unser Chili. Mein Mann bringt es auf den Markt. Meine ganze Familie ist stolz.»

Wie wichtig die Frauen in der ganzen Produktion sind, sagt auch Mahesh Birla, Saatgutspezialist der bioRe association India:
«Frauen in der Produktion sind zentrale Wissensträgerinnen.
Ihre Beteiligung stellt sicher, dass die Saatgutauswahl
den realen Bedingungen auf dem Feld entspricht und
so die bestmöglichen Ergebnisse für die Landwirte,
die Branche und die Umwelt gewährleistet.»
*Wir zitieren den Artikel Indian Women are Superheroins
Die Biobaumwollbäuerin Pushpa Solanki wünscht uns schöne Festtage
Tanzen, sich drehen, und sich dabei immer wieder neu erfinden.
Mit ihrer Lebensgeschichte erzählen wir, wie sie allen Schwierigkeiten in ihrem Alltag trotzt. Denn manchmal hat es Regen, dann erntet sie Baumwolle. Aber manchmal regnet es eben nicht. Zum Glück hat sie noch zwei Büffel: Sie ergeben jede Woche 10 kg Butterschmalz, das ist zusätzliches Einkommen für ihre Familie.
Pushpa träumt vom Singen und Tanzen – daraus schöpft sie Kraft, jeden Tag. Und sie träumt nicht nur – sie singt und tanzt, jeden Morgen: Dabei dreht sie sich um sich selber, immer, und immer wieder. Und mit jeder Drehung, erfindet sie sich neu.
Lassen Sie sich anstecken von Ihrer Energie, das haben wir auch getan!
Mit dieser Geschichte und einem Herzen voller Musik und Dankbarkeit wünschen wir Ihnen eine wunderschöne Weihnachtszeit und danken herzlichst für Ihre Unterstützung in diesem Jahr! Bestellen Sie die Weihnachtskarte mit Pushpas Lebensgeschichte.



Neue Kompetenzen aus Tansania - eine Bäuerin erzählt
Austausch unserer Partner-Organisationen
Im September haben wir uns in Mwamishali, Tansania, in lebendigen Gesprächen ausgetauscht. Wir haben zurückgesehen auf die lange Zusammenarbeit mit unseren indischen Partner-Organisationen in Kasrawad, Indien und in Mwamishali, Tansania. Und natürlich blickten wir auch nach vorn, denn es gibt hier noch viele Chancen zu nutzen und Gemeinsames anzupacken. Mit dem indischen Saatgutspezialisten Mahesh Birla haben wir mit den tansanischen Bauerngemeinschaften über die Herausforderungen im Biolandbau diskutiert: In beiden Regionen ist es vor allem der Klimawandel, der neue Strategien im Anbau erfordert.
«Ich war beeindruckt, wie viele Gemeinsamkeiten es gibt zwischen dem Biolandbau in Tansania und Indien, besonders wenn es um die Herausforderungen durch den Klimawandel geht. Wir alle kämpfen mit unvorhersehbaren Regenzeiten, veränderten Schädlingsmustern und der Notwendigkeit, uns an die neuen Bedingungen anzupassen.»

Die Biobaumwoll-Bäuerinnen und Bauern in Tansania stellen sich der neuen Herausforderung durch den Klimawandel beispielsweise durch die Anbaustrategie des Agroforestry. «Wir sind auf den Regen für die Baumwollernte angewiesen, doch der Regen hat sich verändert», erzählt Biobaumwollbäuerin Zuena Hemed aus Mwamishali, Tansania. Ihre Familie betreibt einen Hof mit über 20 Mitgliedern, und es ist ihr Ziel, nicht nur von Baumwolle zu leben. Vor zwei Jahren begann sie mit «Agroforestry» – eine Entscheidung mit Potenzial. In dieser Art von Agrolandwirtschaft werden Elemente des Ackerbaus und der Tierhaltung mit solchen der Forstwirtschaft kombiniert. «Durch Agroforestry nähren wir den Boden, speichern mehr Wasser und haben zusätzliche Einkommensquellen wie Früchte und Brennholz.»
Sie hat von anderen Frauen in ihrem Dorf über die Vorteile von Agroforestry erfahren. Typischerweise sind es die Frauen, die ihren Familien mit neuen Anbaustrategien helfen, unabhängiger zu werden und sich besser gegen den Klimawandel abzusichern.



Die bioRe® Stiftung setzt sich dafür ein, dass ein lebendiger Süd-Süd-Austausch zwischen Tansania und Indien stattfindet, der nicht nur Wissen teilt, sondern auch die Solidarität und das gegenseitige Empowerment stärkt. Wie dies u.a. Gayatri Solanki in Indien in unserem Interview vom März dieses Jahres erzählt, als wir sie nach der Bedeutung von Empowerment fragen:
«Wenn wir selbständig und selbstbewusst sind, inspiriert das auch andere in unserem Umfeld. So verändert sich die Gesellschaft und Entwicklung kann stattfinden.» Gayatri Solanki, bioRe® Women Trainer, Kasrawad, Indien
Die bioRe® Stiftung ist dankbar für die Kompetenz und Erfahrung, die unsere Bäuerinnen und Bauern im Biolandbau einbringen. Weil sie nicht nur Wissen teilen, sondern sich auch gegenseitig stärken – über Zeit und Kontinente hinweg.
Jahresbericht 2023/2024
Gemeinsam zu mehr Empowerment - die bioRe Stiftung startet eine neue Reise
Hier ist der Jahresbericht 2023/24 der bioRe Stiftung. Darin berichten wir Ihnen über den Start des neuen Empowerment-Programms – unsere neue Leitidee, mit dem wir all unsere Aktivitäten und Projekte miteinander verbinden und die Unabhängigkeit und Partizipation der Biobaumwoll-Bäuerinnen in Indien und Tansania stärken wollen.
Lesen Sie im Jahresbericht auch, woran wir im nächsten Jahr arbeiten wollen: an einer grossflächigen Befragung der Biobaumwoll-Bäuerinnen in Indien und Tansania, unserem erweiterten Schulprogramm und der Ueberarbeitung des bioRe Gütesiegels und Standards.
Wir wünschen Ihnen ein gutes Eintauchen in unsere Empowerment-Geschichten und freuen uns, wenn Sie mit uns den gemeinsamen Weg weitergehen.
Herzlichen Dank für Ihr Engagement in diesem Stiftungsjahr – und wir freuen uns, wenn wir auch im nächsten Jahr auf Ihre Unterstützung zählen dürfen.
Superheldinnen: Frauen sind die Change Agents des Biolandbaus
«Indiens Landwirtinnen etablieren sich als die neuen Superheldinnen im Kampf gegen den Klimawandel» – so der Titel des inspirierenden Artikels von Roli Srivastava, Klimakorrespondentin in Indien. Die Journalistin berichtet, wie Indiens Frauen biodynamischen Landbau vorantreiben.
«Die Frauen gründen Selbsthilfegruppen, statt bei Klimakundgebungen mitzumarschieren» und treiben die Veränderungen im Biolandbau aus dem Kleinen heraus voran.
«Die Leute im Dorf wissen, dass alle unsere Produkte biologisch angebaut werden. Sie bezahlen deshalb gerne mehr für mein Gemüse. Den besten Preis bekomme ich für unser Chili. Mein Mann bringt es auf den Markt. Meine ganze Familie ist stolz.»
Gomati vom bioRe® Dorf Bhamori, Kasrawad, Indien

In den Frauengruppen der bioRe® Association India werden Ideen, Strategien und Herausforderungen geteilt, die beim Handel mit biologischen Produkten auftreten. Die Frauen bauen neben der Baumwolle auch Gemüse, Früchte, Medizinalpflanzen und Getreide an: sie möchten gemeinsam neue Absatzkanäle erschliessen.
Die bioRe® Stiftung hat deswegen ein Förderprogramm für Frauen ins Leben gerufen, das Kleinunternehmertum unterstützt, damit diese Frauen ihr Potenzial voll ausschöpfen können. Dies schafft nicht nur neue Einkommensmöglichkeiten für die Bauernfamilien, sondern stärkt auch die Gemeinschaft.
Wir sind stolz darauf, seit 1991 mit den bioRe® Superheldinnen zusammenzuarbeiten



Die Bilder stammen von unserem Workshop in Kasrawad, Indien, November 2023
Mit 50 CHF Spende können Sie drei Frauen eine landwirtschaftliche Schulung während eines Jahres ermöglichen. Sie bestärken damit die Frauen in ihrer Rolle und unterstützen uns bei dieser Arbeit.
Weil Bildung die grössten Zinsen trägt!
Für Bildung sensibilisieren
In unseren Animationsschulen im Einzugsgebiet der Public School sind derzeit 265 Schülerinnen und Schüler eingeschrieben. Allerdings hat gut ein Drittel Mühe, dem Unterricht zu folgen und nur ca. zehn Prozent schaffen den Übertritt in die höhere Klasse. Dr. Reena M. Tak erklärt uns in diesem Video die Gründe dazu. Sie ist die Direktorin der bioRe Public School in Ojahara.
Es braucht eine wirtschaftliche Grundlage, die es den Familien ermöglicht, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Die Kinder wachsen in einem bildungsfremden Umfeld auf, deshalb ist die Sensibilisierung der Familien im Thema Bildung so wichtig.
Wir hinterfragen unsere Strukturen kritisch und entwerfen gemeinsam einen neuen Plan. Unterstützen Sie die bioRe® Stiftung dabei und damit unsere Schulkinder und ihre Familien. Denn wir wissen: Jede Investition in Bildung zahlt sich aus!
Besuch beim Gesundheitsbus
Der Mobile Health Unit im November 2023 in Kasrawad, Indien
Wir waren im November vor Ort und haben das erfolgreiche Projekt in einem Film festgehalten.
Seit 2006 rollt dieser Bus durch Dörfer, um Bauernfamilien Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen zu ermöglichen. Mit über 196.000 km, 139.881 behandelten Patient:innen und 2.500 Schulkindern pro Jahr. Dank euren Spenden starten wir 2024 einen neuen Bus für eine gesündere Zukunft. Treffe Dr. Shahina Ansari und ihr engagiertes Team, das sich seit 17 Jahren unermüdlich für dieses eindrucksvolle Projekt einsetzt.
Giving Tuesday
Freuen Sie sich über die aktuellen Bilder und lesen Sie drei Geschichten über unsere Aktionen, an denen wir an diesem Giving Tuesday arbeiten, um den Bauerngemeinschaften im Baumwoll-Anbau den Rücken zu stärken.

Unser Gesundheitsbus: ein neues mobiles Spital in Indien
Ohne eine gute Gesundheit geht nichts. Keine Vision kann verwirklicht, keine Mission erfüllt und kein Projekt umgesetzt werden. Deshalb liegt uns Gesundheit besonders am Herzen. Mit dem Projekt Mobile Health Unit setzen wir uns ein für eine verlässliche und regelmässige Gesundheitsversorgung – auch an abgelegenen Orten. Seit 2006 fährt dieser Bus an sechs Tagen die Woche von Dorf zu Dorf, mit dem Ziel, die Gesundheit unserer Bauernfamilien und den Dorfgemeinschaften zu erhalten. Dabei hat er schon über 196’000 Kilometer hinter sich gebracht, mehr als 139’881 Patient:innen erfolgreich behandelt und führt bei über 2’500 Schulkindern pro Jahr lebensfördernde Gesundheits-Checks durch.
Nach 17 Jahren im Einsatz muss der Bus aus dem Verkehr gezogen werden. Aber dank der Hilfe unserer Spender:innen und dem unermüdlichen Einsatz der leitenden Ärztin, Dr. Shahina Ansari, und ihrem Team, stehen wir kurz vor Inbetriebnahme des Nachfolgers. Damit erhalten wir gemeinsam ein Projekt am Laufen, das zu einem wichtigen Standbein für die Bauerngemeinschaften geworden ist.

Rollenmodell für biodynamischen und biologischen Anbau
Darf ich vorstellen: Das ist Mahindrasingh. Er zeigt uns sein Feld, wo er komplementär zur Baumwolle Kichererbsen anpflanzt. Diese sind bereits auf eine Höhe von 15 cm angewachsen, wie er zufrieden feststellt. Stolz erklärt er uns, wie er mittels Komposts die Fruchtbarkeit des Bodens verbessert. Und das zeigt er nicht nur uns: Für sein Können, seine ausserordentlich gut geführte Biofarm und das Teilen seines Wissens als Role Model erhielt Mahindrasingh kürzlich den Excellence Farming Award.
Mahindrasingh bewirtschaftet die Felder seit Jahren gemeinsam mit seiner Frau, Lakshmi. Sie spielt eine tragende Rolle, teilt Arbeit und Entscheidungen im Familienbetrieb. Daneben liegt ihr die Bildung der Kinder liegt besonders am Herzen. Die Geschichte der Familie inspiriert die Gemeinschaft zu umweltbewusstem Handeln und zeigt praxisbezogen und konkret, wie Engagement vor Ort eine nachhaltige Veränderung bewirken kann.

Die Frauen als Finanzmanagerinnen
In unseren Workshops haben wir herausgefunden, dass Frauen im Biolandbau nicht nur Teil des Prozesses, sondern treibende Kräfte für Fortschritt und Nachhaltigkeit sind. Ihr ganzheitlicher Ansatz beim Aufbau und der Bewirtschaftung ist ein Modell für Effizienz und Ressourcenschonung – und führt auch zu finanziellem Erfolg. Ein Beispiel dafür ist ihre Fähigkeit, Einnahmen auf lokalen Märkten zu generieren – mit allem, was sie neben der Biobaumwolle auch noch auf dem Feld anbauen können.
Wir von der Stiftung unterstützen hier mit Zugang zu Samen und der Wissensvermittlung, zum Wohle der ganzen Bauerngemeinschaft.
Jahresbericht 2022/2023
Hier ist der Jahresbericht 2022/23 der bioRe Stiftung. Auch im vergangenen Geschäftsjahr konnten wir uns erfolgreich für die nachhaltige Bio-Landwirtschaft und ein würdevolles, gesundes Leben der Bäuerinnen und Bauern einsetzen.









